Ein Blick hinter die Arbeit von EQUILIBRIUM
- 26. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. März
EQUILIBRIUM ist ein gemeinnütziger Schweizer Verein zur Bewältigung von Depressionen, der sich mit Herzblut dafür einsetzt, Menschen mit Depressionen und deren Angehörige zu unterstützen. Mit fundierten Informationen, praxisnahen Tipps und einem starken Netzwerk hilft der Verein, Wege aus der Isolation zu finden und das Verständnis für psychische Gesundheit in der Gesellschaft zu stärken. In diesem Interview möchten wir mehr über die Arbeit des Vereins erfahren, über ihre Erfolge berichten und Inspiration für Betroffene und Interessierte weitergeben.

Was ist das Ziel von EQUILIBRIUM und wie unterstützt ihr Menschen mit Depressionen und deren Umfeld?
EQUILIBRIUM: Ziel ist es, Menschen mit Depressionen und deren Angehörige zu unterstützen, ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Anlaufstelle zu bieten, offen über die Krankheit zu sprechen, Selbsthilfe zu ermöglichen und Stigmatisierung abzubauen.
Der Verein bietet:
Vernetzung von Betroffenen und Angehörigen
Informationen über Depressionen
Unterstützung durch Selbsthilfegruppen (Betroffene und Angehörige)
Veranstaltungen und Austauschformate
Niederschwellige Anlaufstelle und Beratungsmöglichkeiten
Erfolg wird u.a. durch gegenseitigen Austausch, gemeinsame Aktivitäten und Sensibilisierung erreicht.
Wie können Angehörige oder Freund*innen Betroffene im Alltag am besten begegnen oder auch begleiten?
EQUILIBRIUM: Angehörige können am besten unterstützen, indem sie:
zuhören und ohne zu werten präsent sind – echtes Interesse am Erleben zeigen;
Geduld zeigen und Druck vermeiden; Depression ist keine „schlechte Laune“, sondern eine ernsthafte Erkrankung;
den Angehörigen Akzeptanz zeigen;
den Betroffenen ermutigen, professioneller Hilfe in Anspruch zu nehmen (Hausarzt, Psychotherapie, Psychiatrie) und angeratene Therapien und Medikamente verbindlich einzunehmen;
Alltagshilfe anbieten, z. B. gemeinsame Spaziergänge, kleine strukturierende Aufgaben oder Hilfe bei organisatorischen Dingen;
eigene Grenzen erkennen und ernst nehmen, sich selbst auch Unterstützung holen (z. B. Angehörigengruppen oder Beratung), die eigenen Kraftressourcen beachten;
die Betroffenen darin unterstützen, nach der medizinischen Behandlung Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen von EQUILIBRIUM anzugehen

Welche einfachen Strategien oder Übungen helfen Menschen mit Depressionen, wieder Stabilität und Wohlbefinden zu finden?
EQUILIBRIUM: Einzelne hilfreiche Ansätze im Alltag sind insbesondere:
Tagesstruktur schaffen: Kleine Tagesziele setzen (z. B. Aufstehen zu einer festen Zeit, kurze Spaziergänge).
Körperliche Aktivität: Bewegung (auch kurze Spaziergänge) kann Stimmung und Energie verbessern.
Bewusstes Wahrnehmen von Gefühlen: z. B. mit einer App zur Stimmungserfassung (wie «Wie geht’s dir?» auf depressionen.ch) – das kann helfen, Muster zu erkennen und bewusst auf Bedürfnisse zu achten.
Soziale Kontakte: Austausch mit vertrauten Personen oder Selbsthilfegruppen kann Isolation reduzieren.
Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken: Atementspannung, leichte Meditation oder kurze Pausen zur Ruhe.
Professionelle Hilfe ergänzend einbinden (Therapie, ärztlicher Rat).
All diese Strategien ergänzen sich und unterstützen Stabilität über Zeit.
Wieso ist das Thema Depressionen in der Gesellschaft oft negativ behaftet und wie kann man das Stigma überwinden?
EQUILIBRIUM: Depressionen werden häufig stigmatisiert, weil viele Menschen sie nicht verstehen und mit Unsicherheit oder Angst reagieren. Psychische Erkrankungen werden oft fälschlicherweise als Schwäche oder persönliches Versagen gleichgesetzt oder wahrgenommen. In einer leistungsorientierten Gesellschaft wird das „Nicht-Funktionieren“ schnell abgewertet. Dazu kommen Angst vor Stigmatisierung – besonders am Arbeitsplatz – sowie veraltete Vorstellungen von Stärke, weshalb viele Betroffene aus Scham schweigen und Hilfe meiden. Die Unsichtbarkeit der Erkrankung verstärkt das Problem: Depressionen werden oft mit normaler Traurigkeit verwechselt und nicht ernst genommen. Diese Vorurteile führen zu Ausgrenzung, Isolation und verzögern dringend benötigte Unterstützung.
Stigma kann überwunden werden durch:
Offenen Dialog über psychische Gesundheit statt Vermeidung.
Aufklärung und Wissen – z. B. wie Depressionen entstehen und behandelbar sind.
Persönliche Geschichten von Betroffenen, die ihre Erfahrungen teilen, um Berührungsängste zu reduzieren.
Zuhören ohne Wertung oder Ratschläge.
Sensibilisierung in Medien, Bildungseinrichtungen und am Arbeitsplatz.
Initiativen wie EQUILIBRIUM und Selbsthilfegruppen setzen genau hier an, indem sie Informationen verbreiten und Betroffene sichtbar machen.
Wenn du nur einen Rat an Menschen geben könntest, die gerade an einem Tiefpunkt stehen, welcher wäre das?
EQUILIBRIUM:
«Du bist nicht allein – bitte sprich darüber und hol dir Unterstützung.»
Auch wenn es im Moment sehr schwer erscheint: Hilfe annehmen — sei es durch vertraute Personen, professionelle Fachpersonen, Selbsthilfegruppen oder telefonische Beratungsangebote — kann der erste und wichtigste Schritt sein. Bereits das Teilen der eigenen Gefühle mit jemandem, der zuhört und versteht, kann entlastend wirken und neue Perspektiven eröffnen.
Darüber hinaus ist es mutig, kleine, alltagsnahe Schritte zur Selbstfürsorge zu machen - ruhig, Schritt für Schritt.
Was wünschst du dir für die Zukunft der psychischen Gesundheit in der Schweiz?
EQUILIBRIUM: Eine wünschenswerte Zukunft für psychische Gesundheit in der Schweiz wäre, dass:
Psychische Gesundheit genauso selbstverständlich thematisiert wird wie körperliche Gesundheit.
Zugang zu Unterstützung und Therapie unkomplizierter und für alle erschwinglich ist.
Stigmatisierung deutlich reduziert wird – Menschen offen über ihre Erfahrungen sprechen können, ohne Angst vor Vorurteilen.
Prävention, Bildung und Sensibilisierung bereits in Schulen, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft fest verankert sind.
Netzwerke wie EQUILIBRIUM weiterwachsen und Menschen ermutigen, ihre Ressourcen zu nutzen und sich gegenseitig zu stärken.
Die öffentliche Hand und die Wirtschaft die Bedeutung der Selbsthilfe und Selbsthilfeorganisationen erkennen und fördern.

Ein grosses Dankeschön an EQUILIBRIUM für ihre wertvolle Arbeit, die Menschen mit Depressionen und deren Umfeld stärkt. Mehr Informationen findest du hier: https://www.depressionen.ch/


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